Balvenie

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Freitag, 21. Februar 2014

Arnaldur Indridason - Duell (Island-Krimi)

Wer Fan von Arnaldur Indridason ist und bis zum letzten Fall gerne die Ermittlungen von Kommissar Erlendur verfolgt hat, der kann sich jetzt eventuell die Tränen aus den Augen wischen. Denn es gibt von Indridason einen neuen Kommissar, Marian Briem, und somit eine neue Serie, die mit dem Titel „Duell“ startet. Dabei handelt es sich nicht um eine Story im wilden Westen, in der ein paar schießwütige Halunken die Hauptrolle spielen, sondern um einen typisch gewohnten Indridason-Island-Krimi. Allerdings: Das Ganze zu Zeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Womit wir dem Begriff „Duell“ schon ein anständiges Stück näher kommen.

Die isländische Hauptstadt Reykjavik steht im Jahr 1972 fast Kopf. Man befindet sich auf dem Höhepunkt der Vorbereitungen für das „Match des Jahrhunderts“, ein „Duell“ am Schachbrett zwischen dem amtierenden russischen Schwachweltweltmeister Boris Spasski und seinem amerikanischen Herausforderer Bobby Fisher. Da wird in einem kleinen Kino während einer schwach besuchten 17-Uhr-Vorstellung ein 15-jähriger isländischer Junge aus unerklärlichen Gründen durch Messerstiche getötet. Von den Tätern fehlt jede Spur, ebenso ist das Kassettenaufnahmegerät des Opfers mit seinen Tonträgern verschwunden. Motiv? Unklar, somit Fehlanzeige! Und es stellt sich die Frage, ob es sich um ein Kapitaldelikt mit provinziellem Charakter handelt, oder ob nicht doch ein internationaler Interessenkonflikt dahinter steckt.
Der zeitliche Hintergrund verdeutlicht: Die olympischen Spiele in München stehen unmittelbar bevor, das Bier am Tresen ist immer noch verboten und ein gewisser Erlendur Sveinsson hat gerade bei der Verkehrspolizei angeheuert. Die Kripo in Reykjavik ist spärlich ausgerüstet und noch nicht in der Lage, wichtige kriminaltechnische Untersuchungen selbständig und ausschließlich im eigenen Land durchzuführen. Keine automatischen Abgleichsysteme, kein Handy und kein Internet. Und doch ist klar: Die Spionage gehört mit zum ältesten Gewerbe der Menschheit.
Die vom Autor geschaffene Atmosphäre ist grundsätzlich wieder recht düster gehalten, sowie bedrückend und ein bisschen beklemmend. Island, die „Insel am Rande der bewohnten Welt“, auf der sich jeder duzt. Der Leser wird im Laufe der Geschichte an den neuen Hauptprotagonisten heran geführt. Es dauert eine Weile, bis zunehmend klar wird, dass Marian Briem ein gewiefter, bissfester Ermittler ist, für den die mit Idealismus behaftete Lösung des Falles wichtiger ist, als alles andere. Noch ist er kein Spielball der Politik. Er ist einsam, und wie die zeitlichen Rückblenden im Roman zeigen, von einer nicht ganz einfachen Kindheit gezeichnet.
Duell“ ist ein gelungener, spannender und ein sich gegen Ende immer mehr verdichtender Einstieg in eine neue Serie. Nicht reißerisch, sondern mit Gespür und Logik, gelingt es Arnaldur Indridason, den Leser an das Geschehen zu binden. Er lüftet, gut dosiert mit immer neuen Hinweisen, ein Geheimnis, was nicht vorhersehbar ist. Ein raffinierter Plot, auch heute noch vorstellbar, zu Zeiten des Kalten Krieges vielleicht sogar an der Tagesordnung. Unterhaltsam und lesenswert!

ISBN-10: 3785724837
ISBN-13: 978-3785724835
428 Seiten
erschienen am 17. Januar 2014
übersetzt von Coletta Bürling
Bastei-Lübbe Verlag