Balvenie

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Donnerstag, 10. Oktober 2013

Robert Loius Stevenson - Die Schatzinsel


Ich glaube, dass der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson einer der unterschätztesten Autoren ist. Nein, besser „war“, denn anders ist es nicht zu erklären, dass es Zeiten gab, in denen man den Mann fast vollkommen aus der Literatur ausblendete. Ich gehöre zu denen, die möglichweise niemals so richtig erwachsen werden und deshalb schäme ich mich auch nicht, wenn ich hin und wieder etwas in Nostalgie schwärmen möchte und, nach dem ich mich an meine eigene Kindheit erinnert habe, zu einem alten Roman greife.

Und da ist natürlich „Die Schatzinsel“ präsent, nicht nur wegen der schönen TV-Verfilmung aus dem Jahr 1966, die allerdings viel mehr auf die filmischen Charaktere wert gelegt hat, als dass das England im viktorianischen Zeitalter eine wesentliche Rolle spielte. Aber genau Letzteres ist es, was dieses Buch gar nicht so unwesentlich macht. Weitestgehend aus der Ich-Perspektive erzählt uns der junge Jim Hawkins sein Abenteuer, als er im Zuge der Geschehnisse um die Schänke seiner Eltern, dem „Admiral Benbow“, in ein Abenteuer auf der Südsee und auf einer unbekannten Insel gerät. Die Fahrt auf der Hispaniola, befehligt vom sauberen und linientreuen Kapitän Smollett, mit dem einbeinigen Koch John Silver, der zu einem der Hauptprotagonisten avanciert und dem gescheiten, Pfeife rauchenden Dr. Livesey.
 
Stevenson und seine Reiseberichte sind lesenswert, hier hat er neben einer amüsanten auch eine durchaus spannende Story geschrieben. Dabei vermag er den Leser in eine Inselwelt eintauchen zu lassen, so, als wäre man selbst mit dabei. Das sind nicht nur die TV-Bilder, die sich da von der Kopfplatte ins Gedächtnis rufen. Oh, Du wunderschönes Korsika. Stevenson stellt die raue Schar überzeugend da, rüpelhaft, versoffen immer nach Rum gierend, prügelnd und messerstechend. Und dennoch befällt einen ein Hauch von Charme, der von der Meute ausgeht. Sah so die Seeräuberwelt wirklich aus? Als ganze Scharen noch Angst vor dem legendären Kapitän Flint hatten? Und auf der anderen Seite können und sollen wir uns mit der vielleicht damals so typischen und feineren englischen Gesellschaft auseinandersetzen.
 
Der Schreibstil mag im Grunde genommen noch so einfach sein, Stevenson schrieb diesen Roman bereits im Jahr 1883. Karl Lerbs lieferte hier im Jahr 1974 eine immer noch sehr gute Übersetzung, für einen oftmals unterschätzten, aber wunderschönen Abenteuerroman, der sich für Jugendliche als auch Erwachsene eignet, ja eigentlich schon aufdrängt. Darüber hinaus ist das ein Klassiker.


SBN-10: 9783458317654
ISBN-13: 978-3458317654
erschienen am 01.07.1974
291 Seiten
Insel Taschenbuch Verlag