Balvenie

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Donnerstag, 3. Oktober 2013

Ken Follett - Die Tore der Welt

Wenn ich Verleger von Ken Follett wäre, dann hätte ich alleine aus monetären Gründen eine Fortsetzung des Klassikers „Die Säulen der Erde“ gefordert. Wenn ich Ken Follett persönlich wäre, dann hätte ich aus selbigen Gründen eine Fortführung der Geschichte geschrieben. Lassen wir es als gegeben stehen, dass die zahlreichen Fans des Schriftstellers genau dieses Buch wollten.

Historische Romane gibt es in Hülle und Fülle, nur wenige haben so eingeschlagen wie Folletts Story aus dem englischen Kingsbridge. Der Autor hat es im Grunde genommen clever gemacht. Er hat den Schauplatz samt Kirche beibehalten, hat sich 200 Jahre ins 14. Jahrhundert vor bewegt und ein paar wenigen Protagonisten verwandtschaftliche Beziehungen untergejubelt. Ansonsten ist „Die Tore der Welt“ ziemlich eigenständig und kann deswegen ohne „Die Säulen der Erde“ zu kennen gelesen werden. Was bei Freunden von Ken Follett allerdings kaum der Fall sein dürfte. 


Auf einen festen Plot, an dem sich die gesamte Geschichte entlang hangelt, wurde verzichtet. Vielmehr lesen wir die Lebensgeschichte zahlreicher Personen, die im damaligen England ihr (Un-)Wesen trieben. Adel, Ritter, Baumeister, Kaufleute, Mönche, gespickt mit außerordentlich viel Sex und anderen Sauereien, die dem Leser ein ums andere Mal auch Wut in den Bauch treiben. Ach ja, und dann gab es da noch eine schlimme Krankheit, die sich Pest nannte und von Italien aus rasend  schnell ganz Europa eroberte. Wer sind die Hauptprotagonisten? Eindeutig Caris und Merthin, ein talentierter Baumeister, eine Freundin namens Gwenda, ein unsympathischer Ralph sowie ein feiger und hinterlistiger Mönch mit Namen Godwyn. Klar, da gibt es noch viel mehr Menschen, über die der Leser auf den fast 1300 Seiten stolpert. 

Womit ich auch zur wirklich einzigen Kritik komme: Das Buch ist viel zu dick und die Story zu lang. Irgendwann nervt es, weil so manche Boshaftigkeit vorausschaubar ist, weil Caris ewig nicht in der Lage ist, ein und dieselbe Frage für sich selbst zu klären und weil Merthin unbelehrbar und auf ewig an einer einzigen Frau klebt. Insgesamt liest sich der Wälzer dennoch recht flott und einfach dahin, Follett entspannt den Leser mit recht weicher Kost und hat zudem offensichtlich gut recherchiert. Wer gerne Zeuge „Der Säulen der Erde“ war, wird auch gerne durch „Die Tore der Welt“ schreiten und die vielen Stunden mit diesem Schmöker nicht bereuen. 


ISBN-10: 3785723164
ISBN-13: 978-3785723166
1296 Seiten
erschienen am 29. Februar 2008
Bastei Lübbe