Balvenie

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Samstag, 5. Oktober 2013

Howard Jacobson - Die Finkler-Frage


Wenn man gerne Gesellschaftsromane liest und den US-Autor Philip Roth kennt, dann weiß man auch über Howard Jacobson Bescheid. Sollte man annehmen. Doch dem dürfte in den allermeisten Fällen, erstaunlicherweise, nicht so sein. Jacobson ist Brite und hat überwiegend in der Heimat seine Bücher veröffentlicht. Immerhin hat ihm das mit 68 Jahren den Booker-Preis eingebracht. Da Jacobson sich, ebenso wie Roth, der jüdischen Tradition verpflichtet sieht, hält er auch in „Die Finkler-Frage“ daran fest. Und wie!!! 

Jacobson ist politisch und satirisch, sprachlich gewandt, mit spaßigen, jederzeit wertvollen Dialogen. Wie zu erwarten, machen die beiden „echten“ Juden dem Wunschjuden Treslow schnell klar, dass man als Jude lange und intensiv leiden muss. Das kann man sich nicht selbst aneignen, auch nicht mit dem Erlernen der hebräischen Sprache. Ohnehin ist ordentlich politischer Zunder bei den Beteiligten vorhanden. Für Samuel Finkler gibt es nur Palästina und kein Israel. Finkler stellt schon seit Kindeszeiten für Treslow genau das dar, was er sich unter einem beispielhaften Juden vorstellt.

Mit Hepzibah Weizenbaum begibt sich Treslow auf ein jüdisches Liebesabenteuer, ganz nebenbei eröffnet die Dame in London ein Museum für anglo-jüdische Kultur. Jüdisches Dasein in der heutigen Gesellschaft im heutigen Leben der britischen Hauptstadt. Wie geht das? Auf all das findet Howard Jacobson vielleicht nicht die abschließende Antwort, aber er liefert plausible Hintergründe dafür. Mal nachdenklich, mal sich selbst hochnehmend. Das ganze Buch, von der ersten bis zur letzten Zeile, ist zwar anspruchsvoll, aber es ist ein wahrer Lesegenuss. Mit das beste, was ich im abgelaufenen Sommer lesen durfte.


ISBN-10: 3421045232
ISBN-13: 978-3421045232
436 Seiten (Leseexemplar)
erschienen am 12. September 2011
Deutsche Verlags-Anstalt