Balvenie

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Samstag, 12. Oktober 2013

Wieder mehr "independent bookstores" auch bei uns...?


Neulich habe ich in einem Feuilleton einen interessanten Bericht über die Renaissance der kleinen und unabhängigen Buchläden in den USA gelesen. Als Beispiel fungierte der Buchladen „Bank Square Book“ aus Mystic im Staat Connecticut. Diese Buchhandlung war im vergangenen Herbst vom Wirbelsturm Sandy fast vollständig „weggefegt“ worden. Ca. 40.000 Bücher waren in Folge von eindringendem Wasser durch Türen und Wände so gut wie unverkäuflich, was im Grunde genommen den Ruin der Besitzer bedeutete. Über Facebook folgten Bücherfreunde aus der Umgebung einem Hilferuf der Ladenbesitzer und schleppten Verkaufsexemplare in eine leer stehende Wohnung und in ein Möbellager, weitere Kisten mit Büchern wurden in privaten Garagen gestapelt. Nachdem der Laden über drei Wochen geschlossen blieb und somit auch kein einziges Buch verkauft werden konnte, waren die Besitzer nicht mehr in der Lage, die Angestellten zu bezahlen. Es drohte der Exitus. Daraufhin wurden 8.000 Dollar für eine Restaurierung des Ladengeschäftes gespendet und in den Wochen vor Weihnachten kauften Lokalpatrioten massenhaft Bücher. Und das alles, weil es für die Bürgerinnen und Bürger von Mystic undenkbar erschien, dass es vor Ort keinen kleinen, gemütlichen und persönlichen Buchladen mehr geben sollte.

Dieser Fall ist laut Bericht in den USA keine Ausnahme. Die Menschen dort wollen ihre unabhängigen Buchläden, die „independent bookstores“, wieder zurück. Das macht mir Hoffnung. Denn hier in Deutschland benötigt man keinen Wirbelsturm, um ohne kleine, gut sortierte Buchläden mit kompetenten Personal leben zu müssen. Hierzulande siegt nach wie vor die Bequemlichkeit des Kunden, mit seinem fetten Gesäß am Rechner seine Bestellung bei Unternehmen, wie beispielsweise Amazon, aufzugeben. Den Rest erledigen in den Fußgängerzonen die Branchenriesen Hugendubel und Thalia. Die Auswahl ist groß, die Beratung und die Atmosphäre sind eher schlecht. Das ändert sich hoffentlich auch bei uns wieder. Die Hoffnung ist nicht unbegründet, denn für gewöhnlich ereilen uns die meisten Trends aus den USA mit zeitlichem Verzug (zumeist die Schlechten). So könnte endlich wieder etwas mehr Flair die deutschen Fußgängerzonen bestimmen, welches dafür sorgt, dass die Bücherfreaks wieder ihre Hüften in Bewegung setzen. Und ganz nebenbei: Die ersten Zeilen des erstandenen Druckwerkes könnte man zudem in einem netten Café genießen oder im Sommer bei einem kühlen Drink auf der Freischankfläche eines Bistros. Dann kurbeln Leseratten noch mehr die Wirtschaft an und machen einen Ausflug in die Innenstadt wieder abwechslungsreicher, bunter und somit lohnenswert. Und sie selbst profitieren auch davon... Ein schönes Lebensgefühl. Glaubt es mir!