Balvenie

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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Agatha Christie - Und dann gabs keines mehr

Ein Klassiker, ohne Frage, von der Mutter aller Krimis. Für meine Generation ist Agatha Christie sicherlich diejenige, die uns den Krimi in Wort und Schrift frühzeitig dargeboten hat. Und wenn nicht als Buch, dann spätestens in einem der zahlreichen und erfolgreichen Verfilmungen. Wer kennt ihn nicht, den Kinderreim von Frank Green aus dem Jahr 1869? „Zehn kleine Negerlein“ ist einer von den Titeln, der mich in meinem Leben weder rassistisch gemacht hat, noch hat er rechtsextremes Gedankengut in mir hervorgerufen. Der „political correctness“ wegen heißt dieses Buch seit dem Jahr 1985 „Und dann gabs keines mehr“.


In dieser Taschenbuchausgabe des 1939 erstmals erschienenen Romans gibt es zu Beginn eine Anmerkung des Verlages, in dem dieser bedauert, dass sowohl die Begriffe „Nigger Island“ als auch im Text „Zehn kleine Negerlein“ verwendet werden, da das Buch ansonsten vollkommen unverständlich wäre. So weit so gut. Anschließend darf der Leser dem Schicksal von zehn vollkommen unterschiedlichen Menschen beiwohnen, die alle von einem Unbekannten eine Einladung auf eine Insel bekommen haben. Das einzig Gemeinsame: Sie alle waren in irgendeiner Form in bisher ungeklärte Todesfälle verstrickt. Wie im Reim beschrieben, wird ein Mitglied nach dem anderen aus der Personengruppe ermordet, und nachdem die Absuche auf der Insel ergibt, dass sich keine weitere Person auf der Insel befindet, ist klar, dass der Mörder einer von ihnen sein muss. Was jetzt folgt ist ein gesundes Misstrauen untereinander, aber auch ein Sammeln von Indizien und handfesten Beweismitteln, die Rückschlüsse auf den Täter oder die Täterin zulassen.

Wer war es? Das ist die Frage, die den Leser ganz bis zum Schluss begleitet. Bis sich ein genialer Plot erschließt und man das Buch trotz allem mit einem Schmunzeln bei Seite legt. So intelligent können Plots sein, dazu der Zeit angepasst recht einfach erzählt, in einer gelungenen Übersetzung von Sabine Deitmer. Ohne großes Brimborium, schnell auf den Punkt, und doch spannend, geheimnisvoll, den Buchfreak bindend. Ein uralter Krimi, der das Thema „Selbstjustiz“ auf herrliche Art und Weise kritisch in den Mittelpunkt rückt. Hier wird vielleicht das vollzogen, was die ordentliche Justiz hätte erledigen müssen.



ISBN-10: 359617404X
ISBN-13: 978-3596174041
224 Seiten
erschienen erstmals am 06.11.1939
Fischer Taschenbuch