Balvenie

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Freitag, 8. Februar 2013

Cornell & Diehl - Briar Fox

Ja, doch, es stimmt. Über Geschmack lässt sich trefflich streiten! Bereits vor ein paar Jahren wurde ich ein Freund von diesem Tabak. Cornell & Diehl's „Briar Fox“ ist einer von den US-Tabaken, mit denen ich zeitig Bekanntschaft machte. Schnell war mir klar, dass dieser Virginia nicht nur von seiner Darreichungsform, sondern insbesondere auch durch seinen Geschmack zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. So auch jetzt wieder, als mir ein lieber Pfeifenfreund den „Briar Fox“ überließ, weil er offensichtlich nichts mit ihm anfangen kann. Und der Mann hat im Grunde genommen Recht. „Love it or hate it“ sagte schon Ralf Dings, und genau so ist es. Der Reihe nach:

Der „Briar Fox“ ist angeblich der persönliche Lieblingstabak vom großartigen dänischen Pfeifenmacher Peter Heeschen. Das mag stimmen oder auch nicht, als PR-Aufschrift auf der Dose allemal geeignet. Ein sog. Crumble Cake, oder wie die Amerikaner auch mal gerne schreiben: Ein „Krumble Kake“. Dabei handelt es sich um einen locker gepressten Tabakkuchen, der mit der Hand zerrieben werden muss. Und so befinden sich im Döschen zwei Blöcke, mittelbraun, an wenigen Stellen hell, und es sind auch ganz wenige dunkle Streifen zu entdecken.


Im Geruch wirklich sehr virginia-typisch, außerordentlich streng in der Nase, heuig, etwas Essig und somit dezent sauer, aber auch etwas nussig.

Den „Briar Fox“ lässt man gemütlich und locker in den Kopf rieseln und prompt zündet er. Da gibt es kein Problem, um einen gleichmäßigen Brand zu erzeugen. Ein Zündholz kann durchaus ausreichen. Er bäumt sich auf, deswegen bitte den Pfeifenkopf nicht bis zum Anschlag füllen. Es ist ein Virginia, der überraschend ganz und gar nicht süß ist. Nein, ganz im Gegenteil. Sehr bodenständig, was ein absolut langsames Ziehen verlangt. Der Tabak verzeiht eine zu große Hast im Rauchverhalten, wird allerdings dann vollkommen bedeutungslos und langweilig. In kurzen Momenten nimmt man etwas Saures war, was mich manchmal zu der Annahme kommen lässt, dass hier etwas Perique zugemengt wurde. Da ist auch eine gewisse Würze. Der „Briar Fox“ ist ein anspruchsvoller Tabak, denn er wirkt über lange Zeit nicht rund und gleichmäßig. Er kann schnell bedeutungslos werden, offenbart aber auch immer wieder kurzzeitige und überraschende Anflüge von etwas Besonderem. Geradezu nussig wirkt er dann am Gaumen. Im Ergebnis also sehr komplex, und man braucht wohl einige Füllungen, um ihn zu definieren.

Im letzten Drittel wandelt sich der „Briar Fox“ zu einem geschmeidig und cremigen Raucherlebnis. Dann ist er nicht mehr spannend, aber im Grunde genommen nebenher zu rauchen.

Die Raumnote hält kaum Überraschendes bereit, im Kopf verbleibt eine recht dunkle Asche. Die Kondensatbildung ist erfreulich gering. Es ist ein mittelstarker Virginia-Tabak, der wirklich sehr speziell ist. Nein, kein Tabak, um mal von der aromatischen in die naturnahe Ecke reinzuschnuppern. Dafür ist er zu anspruchsvoll und vor allen Dingen zu speziell. Aber derjenige, der sich fast ausnahmslos den Virginias zugehörig fühlt, der sollte, ja der MUSS im Grunde genommen hier mal zugreifen. Also bei Gelegenheit.....

Ich habe Phasen, da kann ich absolut auf ihn, in anderen Momenten verzichte ich gerne. Je nach Stimmung ein Highlight oder eben doch ein schwierig einzuordnender Kandidat. Da wird sicherlich jeder für sich zu einem individuellen Ergebnis kommen.